XCOM 2: Der Beweis, dass Strategiespiele auf der Konsole funktionieren

Mit etwas Verspätung zur PC-Version erschien am 30. September 2016 die Konsolenversion des Strategiespiels XCOM 2. Es ist der ersten Versuch der Entwicklerfirma Fireaxis Games und 2K als Publisher den Nachfolger des erfolgreichen ersten Teils auf die jetzige Konsolengeneration zu portieren. Ob das Vorhaben gelungen ist, kann man eigentlich schon von der Headline erahnen. Warum jedoch das ganze so gut funktioniert, könnt ihr in dem folgenden Testbericht lesen.

Und sie haben doch gewonnen

Im Jahr 2012 erschien der erste Teil „XCOM: Enemy Unknown“, den viele Fans des Strategiegenre feierten. Nächtelang wurden Schlachten gegen die außerirdischen Invasoren geschlagen um sie endgültig zu besiegen. Falsch gedacht! Denn der zweite Teil beginnt für die ehemaligen Kommandeure mit einem Schlag ins Gesicht. Die Story des zweiten Teils handelt nämlich davon, dass die Aliens es schließlich doch geschafft haben, eine Invasion auf der Erde erfolgreich durchzuführen. Zwanzig Jahre nach Enemy Unknown kapitulierten die Staatsoberhäupter und das Sondereinsatzteam XCOM wurde zerschlagen und musste sich in verschiedenen Teilen der Erde zurückziehen.

Die Aliens bauten prächtige Städte und gaben vor mit der menschlichen Bevölkerung in Frieden zu leben. Um diesen Frieden zu wahren wurde zusammen mit einigen noch aktiven Regierungen der Erde eine Koalitiontruppe mit dem Namen „Advent“ ins Leben gerufen. Bei diesen Truppen handelt es sich um Hybriden aus Alien und Menschen, die die dunklen Pläne der Aliens zur endgültigen Auslöschung der Menschheit verschleiern. Die aufgeriebenen Truppen der XCOM Streikräfte müssen sich neu formieren und im Untergrund die weiteren Schritte zur Befreiung der Erde planen. Der Spieler übernimmt dabei die Rolle des Commanders der XCOM Streitkräfte und muss sowohl seine Truppen durch die Missionen führen wie auch die Basis der XCOM organisieren.

xcom2_b1

 

XCOM 2 hat eine fantastische Spieltiefe

XCOM 2 ist ein rundenbasiertes Strategiespiel, in dem man mit bis zu 6 Einsatzkräften verschiedene Missionen meistern muss. Die Missionsarten sind sehr vielseitig. Von Sabotageaktionen über Guerillakämpfe bis hin zu Befreiungsmissionen wird dem Strategie- und Taktikfanatiker vieles geboten. Jeder Agent des Spezialteams hat dabei bis zu zwei Aktionen, die sorgfältig durchdacht werden müssen. Wie weit dringt man noch vorne? Wer gibt wen Deckung? Greife ich offensiv an, wenn ja mit Sturmgewehr oder Handgranate, flankiere ich den Gegner oder bleibe erstmal lieber in Deckung und gehe in Feuerbereitschaft. All das sind Fragen die der Spieler während einer Mission genau planen muss. Dabei werden diese taktischen Manöver auf ansprechend gestalteten Maps aus der Vogelperspektive durchgeführt. Besondere Aktionen wie z.B. Befehle der Feinde, das Eintreten von Türen oder der Spurt von einer Deckung in die andere wird durch gut inszenierten Actionsequenzen in Szene gesetzt.

Was aber XCOM 2 besonders ausmacht, ist die fantastische Spieltiefe und Möglichkeiten seine XCOM Einheit zu organisieren, weiterzuentwicklen und einzigartig zu machen. In dem, von der XCOM Einheit gekarperten mobilen Kommandoeinsatzzentrale, das Alienraumschiff Avenger, können verschiedene Forschungen und Weiterentwicklungen durchgeführt werden. So kann man sowohl in der Waffen- und Rüstungsforschung wie auch in der Erforschung der Aliens zur Entdeckung von Schwachstellen oder eigenen Verbesserungen Zeit und Materialien investiert werden. Diese Materialien sind sehr knapp und müssen entweder auf den Missionen oder auf der mobilen Einsatzkarte gefunden werden. Der Spieler hat ebenfalls die Möglichkeit, das Alienraumschiff weiter auszubauen und so weitere wichtige Räume zur Weiterentwicklung des Teams zu gestalten.

Auch die Individualisierung der Agenten ist sehr gut gelungen. Nicht nur das Aussehen und die Ausrüstung kann für jeden Agenten angepasst werden, auch Nationalität, Name, selbst die Sprache kann bestimmt werden. Die Möglichkeiten zur Gestaltung der Einsatztruppe werden durch Freischaltungen während des Spiels erweitert. Es ist daher nicht verwunderlich, dass einem die Agenten sogar ein wenig ans Herz wachsen und man am liebsten jeden Agent heil aus den Missionen herausbekommen möchte. Dies ist aber leider nicht immer möglich. Wenn man Glück hat kehren die Agenten heil oder verwundet aus der Schlacht zurück und generieren nach einigen Tagen. Bei Verlust eines Agenten gibt es jedoch eine gemütliche Bar in der Avenger, wo man sich an der Gedenktafel an seine Helden erinnern kann.

xcom2_b3

 

XCOM 2 steuert sich auf der Konsole wie aus einem Guss

Wie spielt sich aber XCOM 2 ohne Maus und Tastatur und anstelle dessen mit einem Gamepad an der Konsole? Eine Herausforderung an die schon einige Entwickler gescheitert sind. Aber bereits in der ersten Mission merkt man, dass die Steuerung via Gamepad einfach vorbildlich umgesetzt wurde. Auf der Playstation 4 steuert man seinen Agenten mit dem linkem Analogstick und X-Taste. Das Waffen- und Befehlsmenü kann man mit R2 aufgerufen und per Steuerkreuz ausgewählt werden. Gegner wechselt man über die beiden oberen Schultertasten und mit X wird die Aktion ausgeführt. Das ganze läuft so gut, dass man gar nicht mehr zur Maus und Tastatur greifen möchte.

Aber irgendetwas muss man doch an dem Spiel kritisieren können? Es sind nur wenige Sachen die bei XCOM 2 verbesserungswürdig sind. Die grafischen Elemente im Spiel sind ebenfalls in einer Art Comicgrafik sehr gut gelungen. Hin und wieder gibt es in den Actionszenen ein paar Unstimmigkeiten, das Szenen nicht so gut erfasst werden oder es Clipping Fehler gibt. Die animierten Zwischensequenzen bieten aber als Gegensatz dazu wieder ein tolles Filmerlebnis. Die deutsche Synchronisation ist ebenfalls gut gelungen, lediglich die heroische Musik hätte ein wenig Abwechslung verdient. Auch, dass man manchmal zwischen den Missionen auf lange Ladezeiten stößt, muss man verschmerzen können. Es gibt daher noch Potential zu Verbesserungen, aber was uns die Entwickler mit XCOM 2 auf der Konsole bieten, ist schon mal großes Tennis im Strategiegenre.

xcom2_b2

Multiplayer-Modus

Das Spielen im Multiplayer-Modus war im Testzeitraum leider nicht möglich und bleibt deshalb von der Wertung ausgenommen.

Fazit

Wer ein Fan des Strategiegenre ist und bislang auf der Konsole aufgrund schlechter Erfahrungen auf solche Titel verzichtet hat, kann getrost auf XCOM 2 zurückgreifen. Die Steuerung ist vorbildlich und einfach strukturiert umgesetzt. Dazu bietet XCOM 2 eine erhebliche Spieltiefe mit vielen Varianten, Weiterentwicklungen und Missionsvielfalten. Aufgrund dieser Vielfältigkeit wirkt jede Spezialeinheit einzigartig. Auch die Story wird dem Spieler sehr gut präsentiert. Atmosphäre und selbst die deutsche Synchronisation sind stimmig.  XCOM 2 ist also eine gelungene Portierung auf die jetzige Konsolengeneration.

 

 

Ein Kommentar

  1. Das mit der Ladezeit ist schon etwas ärgerlich. Im Vergleich zur PC-Version frustet das lange Laden vor allem während der Missionen, wenn mal etwas schief gegangen ist. Den ersten Teil spielte ich ebenfalls mit dem Controller am Fernseher (über den Steam Big Picture Modus) und das war schon genial. Jedoch gebe ich recht, dass die Umsetzung klasse gelungen ist!

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*