Resident Evil 7: Die optimale Mischung aus Survival und Action

Viele Fans fieberten den Release von Resident Evil 7 entgegen. So war auch ich sehr gespannt, welchen neuen Weg der Titel gehen wird. Ich erinnere mich noch gut daran, als ich mit knapp 18 Jahren durch das alte Herrenhaus im fiktiven Racoon Forest, nahe der Stadt Racoon City, streifte. Es war eine ganz besondere Atmosphäre, denn nie zuvor gab es für mich auf der Konsole ein Horrorspiel, was mich von Anfang an so packte und dafür sorgte, dass ich beim Spielen das Licht anmachen musste. Die nachfolgenden Teile waren sicherlich bis auf ein paar Ausnahmen alle gut. Aber die Richtung „Action vor Horror“ kam bei mir überhaupt nicht gut an. Ganz so wie bei den Filmen musste man sich mit dieser Stilrichtung aber anfreunden oder der Serie den Rücken kehren. Action ging vor Horror… was jetzt anders ist, könnt ihr in diesem Testbericht lesen.

Der Stoff aus bekannten Horrorfilmen, düster und ekelhaft…

In „Resident Evil 7: Biohazard“ treibt uns das Geschehen in das ländliche Amerika, genauer gesagt in die fiktive Stadt Dulvey, Louisiana. Unser Protagonist heißt Ethan Winters, der auf Hinweise seiner entführten Frau stößt, was ihn schließlich zur scheinbar verlassenen Plantagenvilla führt. Mehr möchte ich schon gar nicht von der Story verraten. Aber es ist schon mal ein richtig geiler Storyanfang. Denn zum einen streifen wir wieder durch ein verlassenes Haus und zum anderen ist unser Protagonist weder Soldat noch Cop, sondern ein weniger kampferprobter Charakter. Man wird sehr gut in die Story hineingeführt und das Charaktersetting ist sehr stimmig. Trotzdem hätte ich vom Hauptcharakter ein wenig mehr Angst- oder Schockmomente erwartet. Dieser bleibt mir in vielen Situationen einfach zu ruhig. Ein wenig mehr Panik in gewissen Situationen wäre schon angebrachter und hätte noch mehr zur Stimmung beigetragen.

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Resident Evil 7 wirkt beängstigend und erdrückend

Man hört oft, dass dieser Teil zurück zu den Wurzeln kehrt. Dieser Aussage kann ich so nicht zustimmen. Capcom macht es diesmal besser als jemals zuvor. Man hat erkannt, dass Survival Horror im Stile von Outlast sehr gut bei den Spielern ankommt und hat einen Titel geschaffen, der sich zwischen den aktuellen Survival- und Action-Titeln mit der richtigen Mischung und Balance einreiht. Das Ergebnis ist eine tolle Spielatmosphäre mit der richtigen Würze Action. Gerade die Entscheidung der Entwickler, von der üblichen Schulter- auf die Egoperspektive zu wechseln, war ein sehr guter Schritt. Dadurch wirkt der Titel noch intensiver und düsterer. Man hat wie in der Realität nie ein Gefühl dafür, was hinter dem Rücken wirklich passiert. War da doch jemand im hinteren Teil des Flures, soll ich die Treppe besser im Auge behalten? Ethan tappt dabei sehr vorsichtig durch die Räume, öffnet Türen sehr zaghaft oder wirft einen vagen Blick um die Ecke.

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Die grafische Stimmung kommt vor grafischer Qualität

Als ich mit Ethan das Auto verließ um durch die Vegetation zur Plantagenvilla zu gelangen, war ich ein wenig enttäuscht. Die Vegetation sah wirklich matschig und grafisch nicht so detailliert aus. Auch der erste entfernte Blick auf die Villa war sehr ernüchternd. Die Texturen waren sehr verwaschen und undeutlich. In der Villa selbst fand ich es optisch schon besser. Sicherlich sind hier die Texturen auch nicht unbedingt auf der grafischen Höhe der jetzigen Konsolengeneration, aber die grafische Stimmung passt. Kleine Lichtquellen erhellen die Räume und Flure und sorgen für eine düstere Atmosphäre und unüberschaubare Kulisse.

Viele ekelhafte Details wie z.B. die alten Speisereste oder Sachen, die man besser nicht essen sollte, kann man auf seinem Trip entdecken. Auch auf alten Bildern kann man etwas über die Eigentümer des Hauses erfahren. Das Charakterdesign finde ich wiederum sehr ansprechend. Sicherlich sehen Gesichtszüge immer noch sehr gekünstelt aus, aber hey… das ist ein Videospiel und kein Film. Die Bewegungen der Charaktere finde ich wiederum sehr gut gelungen. Das merkt man sehr schnell, wenn man auf den ersten Nichtspielercharakter trifft. Die verzweifelten Bewegungen des NPC sind toll umgesetzt worden.

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Der Sound ist die wahre Stärke des Spiels

Grafisch erreicht der Titel zwar keine Vollpunktzahl, aber die grafische Stimmung ist richtig toll. Einen Einfluss darauf hat aber vor allem die extrem gute Soundkulisse. Eine große Stärke des Spiels. Immer wieder musste ich mich während des Spiels umdrehen, ob nicht doch jemand oder etwas mir folgt. Irgendwie knarrt alles, der Wind rauscht durch die losen Bretter der Villa und manchmal hört man auch die ein oder anderen merkwürdigen Geräusche aus den Nachbarräumen. Das alles wirkt sehr beklemmend auf den Spieler. Die deutsche Sprachausgabe ist gut gelungen, auch wenn ich dem Protagonisten wie bereits oben erwähnt, eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber den Horror- und Schockelementen vorwerfe, was sich auch in der Sprache äußert.

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Altbekannte Spielmechanik

Von der Spielmechanik erkennt man die typischen Eigenschaften der Spielserie wieder. Auch hier kann man nur Inventare in begrenzter Anzahl mitführen. In sogenannten Schutzräumen muss man daher die Möglichkeit von Kisten nutzen, um Gegenstände zu verstauen. In diesen Räumen findet man auch meist eine Speichermöglichkeit, die mit einem MC-Tonbandgerät durchgeführt wird. Auch stößt man im Spielverlauf hin und wieder auf ein kleineres Rätsel. Mit verschiedenen Waffentypen kämpft man im Nah- und Fernkampf gegen seine Gegner und bekommt es auch mit dem ein oder anderen Boss zu tun.

Die Munition muss man sich wie früher genau einteilen. Störend fand ich, dass die Schutzräume die Gegner abhalten, einem zu folgen. Für das Überleben meines Charakters gut, in Sachen Spielrealität jedoch unerklärlich. Da hätten sich die Entwickler etwas besseres einfallen lassen sollen. Der Protagonist lässt sich in der Egoperspektive sehr gut steuern, wird es jedoch in den Nahkämpfen etwas heftiger, fällt die Kollisionsmechanik ein wenig stockend auf.

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Fazit 

Resident Evil 7 bietet ein tolles Spielerlebnis. Die Entscheidung, die Spielmechanik in einer vorbildlichen Balance zwischen Survival und Action zu positionieren, war eine Meisterleistung der Entwickler und bringt sicherlich wieder viele Spieler zurück zur Serie. Für die Bewertungsskala kommt dieser Titel nach meinem Empfinden direkt nach ersten Teil von Resident Evil. Grafisch hätte man noch genügend Luft nach oben, jedoch ist die grafische und soundtechnische Stimmung vorbildlich gelungen. Auch VR-Spieler werden sicherlich diese Eigenschaften lieben. Die Spielzeit von knapp über 10 Stunden ist zufriedenstellend. Ein bisschen länger hätte es durchaus sein können, aber wir erforschen nun mal ein überschaubares Terrain. Ich hoffe Capcom führt diesen Weg so fort. Mehr Horror mit einem gesunden Maß an Action könnte zu weiteren erfolgreichen Jahren der Spielserie führen.

Erlebt mit mir die ersten Minuten in Resident Evil 7

 

 

Resident Evil 7

Resident Evil 7
9.1

Präsentation

8/10

    Gamedesign

    10/10

      Horror-Faktor

      9/10

        Steuerung

        9/10

          Story/Atmosphäre

          10/10

            Pros

            • Atmosphäre
            • Story
            • Balance zw. Action und Horror
            • Setting
            • Soundkulisse

            Cons

            • Texturen von Gegenstände
            • Kollisionsmechanik

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