Battlefield 1: Der erfolgreichste Reset der Shooter-Geschichte

Schwer atmend hechtet unser Protagonist über das Schlachtfeld mit dem Ziel die Frontlinie unter allen Bedingungen zu halten. Optisch sieht das Schlachtfeld aus wie die Hölle auf Erden. In den dunklen grauen Waben sind nur die Flammen verschiedener Explosionen oder beängstigender Flammenwerfer die einzigen Lichtpunkte, an den wir uns orientieren können. Düster und aussichtlos beginnt der faszinierende Prolog von Electronic Arts neuestem Shooter „Battlefield 1“. Er zeigt knapp über 10 Minuten den Schrecken des Krieges und die Kurzlebigkeit eines Soldatendaseins an der Front. Stirbt unser Soldat, schlüpfen wir in die Rolle eines anderen Soldaten. Im Laufe des Prologs lernen wir verschiedene Soldatentypen kennen, um später Auge in Auge dem Feind gegenüberzustehen. Nachdem der Prolog sein Ende gefunden hat, hält man kurz inne, mit dem Gedanken, was ein einzelnes Leben in diesem Krieg überhaupt wert ist und wie schnell es zu Ende ist.

Electronic Arts und die Entwicklerfirma DICE gehen mit Battlefield 1 einen interessanten Schritt, der jetzt im nachhinein betrachtet schon lange notwendig gewesen ist. Wie die Versionsnummer 1 schon andeutet, geht man weder vom Setting her in Richtung Zukunft, wie es in den letzten Releases von Shootern der Fall ist, noch bringt man ein ganz neues Setting wie es in Battlefield Hardline der Fall war, auf dem Markt. Nein, man macht etwas ganz anderes. Man springt von Version 4 zurück auf Version 1 und führt uns in die Zeit des ersten Weltkrieges. Ein interessanter Schachtzug, der sich wahrhaftig als Spielermagnet für Fans des Shooter-Genre entpuppt. Warum? Dies könnt ihr hier lesen.

Wie ist es wieder ganz ohne Drohnen oder dem Schnickeldischnack-Multifunktions-Scharfschützengewehr in einem Shooter zu kämpfen? Ich kann nicht mehr durch die Mauern schauen oder um die Ecke schießen. Wirft man einen Blick zurück auf die vergangenen Releases von Shootern, so gab grundsätzlich nur den Trend in Richtung Zukunft zu schauen. Die Shooter präsentierten sich auf technischem Höchstniveau, was sich in Form verschiedener Gadgets äußerte. Jetzt greift man wieder zur Knallbüchse, Revolver, Bajonett oder sogar zum Säbel. Die Panzer sind beeindruckende rollende Blechdosen und Hochleistungs-Jets machen Platz für Doppeldecker und gewaltige Luftschiffe. Selbst Pferde werden als Fortbewegungsmittel in Battlefield 1 genutzt.

Der erfolgreichste Einzelspieler-Modus des Shooter-Genre

So interessant sich schon allein die Art des Settings anhört, desto beeindruckender erscheint mit diesem historischen Hintergrund der Aufbau des neuen Storymodus. Wir schlüpfen diesmal nicht in die Rolle eines Allround-Soldaten oder Agenten, der über den gesamten Globus hechelt. Nein, die Entwicklerschmiede DICE setzt lieber auf das Erzählen von Kurzstories verschiedener Personen. Diese Stories spielen sich auf der ganzen Welt ab und erzählen den ersten Weltkrieg aus verschiedenen Sichtweisen. So besuchen wir  spekatkuläre Schauplätze in fünf filmreif inszenierten Kurzgeschichten. Wir fliegen als Betrüger einen Doppeldecker und kundschaften deutsche Stellungen aus, erleben als Brite den Einsatz in einem Mark V Panzer oder Reiten an der Seite von Laurence von Arabien durch die Wüste.

Es sind nicht die ultimativen Helden die wir spielen, es sind Soldaten die ihre Geschichten erzählen. Jede dieser Kurzgeschichte dauert zwischen ein bis zwei Stunden und ist abwechslungsreich und atmosphärisch aufgebaut. Schwerpunktmäßig handeln die nachspielbaren Erzählungen über Soldaten der Westmächte. Der erste Weltkrieg aus Sicht der Deutschen, Franzosen oder Russen wird zwar vernachlässigt, EA schließt aber diesbezügliche Erweiterungen per DLC nicht aus. Hinsichtlich des Multiplayers wurde Russland als neue spielbare Fraktion in einem Bericht auf GameStar bestätigt. Einziger Störfaktor der Storyline ist die schwache KI, die uns regelrecht unüberlegt vor die Flinte läuft.

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Neuer Multiplayer-Modus „Operationen“ ist spannend aufgebaut

Im Multiplayer-Modus stechen vor allem neben den üblichen Spielweisen wie z.B. Deathmatch oder Eroberung die neuen Varianten „Operationen“ und „Kriegstauben“ heraus. Wer den Modus „Operationen“ spielt, sollte viel Zeit mitbringen, da eine Mission fast eine Stunde in Anspruch nehmen kann und die Schlacht sich über mehrere Karten zieht. Dabei werden die verschiedenen Kriegssituationen wie beispielsweise die Verstärkung durch Luftschiffe oder der Rückzug in eine französische Stadt interessant dargestellt. Im Modus „Kriegstauben“ verfolgen die Spieler das Ziel, eine Brieftaube zu finden und eine Nachricht zum Stützpunkt zu senden. Der Modus ähnelt also einem 12-Mann Capture the Flag in einer neuen Variante.

In der Grundausführung von Battlefield 1 stehen dem Spieler im Multiplayer-Modus neun Maps zur Verfügung, die mit maximal 64 Spielern bespielt werden können. Jeder dieser Maps ist ein grafischer Leckerbissen. Ob ein Straßenkampf in einer französischen Stadt, der Ausblick über die italienischen Alpen oder ein Ritt über die Dünen Arabiens, die grafische Darbietung ist selbst im Multiplayermodus phänomenal. Abgerundet wird dieses Setting durch eine dynamische Witterung wie z.B. wütende Sandstürme und einem zerstörerischen Einsatz der Frostbite-Engine. Wenn z.B. die Mauern der Häuser weggesprengt werden oder durch Einschläge Krater entstehen, sieht das richtig toll aus. Und selbst auf der Konsole bietet sich dem Spieler ein sehr hoher Detailgrad, wie es sonst nur auf dem PC zu sehen ist. Ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass es sich bei Battlefield 1 hinsichtlich der Grafik um einen der besten Shooter handelt, der je auf einer Konsole erschienen ist.

Mit dazu liefert DICE eine tolle Soundkulisse. Die Soundeffekte klingen sehr gut. Auf dem Schlachtfeld gibt es so viele verschiedene akustische Eindrücke, dass alleine nur von den Waffensounds und dem Schlachtgetümmel eine einschüchterne Atmosphäre entsteht. Die Lokalisierung der Feindgeräusche ist in Battlefield 1 sehr gut umgesetzt und auch die deutsche Synchronisation der Protagonisten bzw. von verschiedenen Soldaten auf dem Schlachtfeld klingt richtig toll und wirkt so gut wie gar nicht gekünstelt. Untermalt wird dies von einer tollen heroischen Musik.

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Die Verkaufszahlen bestätigen, dass EA den richtigen Riecher hatte

Die Kollegen von Eurogamer berichteten erst kürzlich, dass sich Battlefield 1 innerhalb einer Woche so gut wie Battlefield 4 und Battlefield Hardline zusammen im gleichen Zeitraum verkaufte. Dazu muss man noch erwähnen, dass es sich wohl um einen der reibungslosten Releases der Shootergeschichte handelt. Es gab kaum Beschwerden über Schwierigkeiten beim Matchaufbau im Multiplayer, noch verzeichnet man schwerwiegende Lags oder Gameplay-Bugs. Battlefield 1 ist rund und das sorgt nicht nur hier für Bestnoten in den verschiedenen Kategorien.

Auch für langfristige Motivation ist gesorgt. Neben den neuen atmosphärischen Multiplayer-Modus „Operationen“, hat der Spieler die Möglichkeit seinen Sammelwahn durch Battlepacks zu stillen. Diese Packs beinhalten entweder herkömmliche Waffen oder sogar legendäre Gegenstände und Waffen, die als Puzzleteile aufgeteilt sind. Natürlich kann man sich auch solche Packs über die Stores kaufen.

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Fazit

Wenn ich auf die vergangenen Releases im Shooter-Genre zurückblicke, schneidet für mich Battlefield 1 als bisher bester Titel ab. Mal davon abgesehen, dass es so gut wie keine Beschwerden über den Release gab, ist der Schritt in die Vergangenheit ein Meisterstück unter EAs Flagge. Die Spieler herzigen diesen Schritt, wie man verschiedenen Feedbacks entnehmen kann. Der Titel hat zurecht Bestnoten verdient, da er alle Aspekte eines guten Shooters in einem neuen alten und interessantem Gewand zeigt. Vor allem der in der Vergangenheit oft stark kritisierte Einzelspielermodus wird seit langem wieder positiv hervorgehoben. Ich würde sagen, mit dem Release von Battlefield 1 wurde alles richtig gemacht und die Spieler bedanken sich mit entsprechenden Verkaufszahlen.

 

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